Deutsche Energiewirtschaft: Verantwortung für Versorgungssicherheit

Aktuelle Einschätzungen zur Situation der Gasversorgung

Die deutsche Energiewirtschaft blickt mit Bestürzung und großer Sorge auf die Situation in der Ukraine. Leidtragende dieses Krieges ist in allererster Linie die ukrainische Bevölkerung. Unsere Gedanken sind auch bei den Menschen, die sich in Russland gegen Putin stellen. Die Auswirkungen sind weder geopolitisch noch energiepolitisch und -wirtschaftlich zurzeit absehbar. Sie sind abhängig von den weiteren Entwicklungen und insbesondere dem Handeln Russlands. Wir hoffen inständig, dass Deeskalation und Diplomatie Eingang finden.

Auf dieser Seite finden Sie weitergehende Hintergrundinformationen unseres Bundesverbandes Energie- und Wasserwirtschaft (bdew) sowie eine Übersicht zu aktuellen Fragen & Antworten rund um die Versorgungssicherheit vor Ort, soweit wir diese aktuell beantworten können. 

 

Die Alarmstufe Gas ist die zweite Stufe des dreistufigen Notfallplans Erdgas. Bereits am 30. März 2022 ist seitens des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) die erste Stufe, die sogenannte Frühwarnstufe, ausgerufen worden. Hintergrund sind die reduzierten Erdgas-Lieferungen aus Russland.

Nach wie vor ist die Versorgungssicherheit gegeben. Doch seitens des BMWK ist nun ein Zustand festgestellt, in dem eine physikalische Gasmangellage zwar noch nicht eingetreten ist, jedoch wurde Erdgas zu einem knappen Gut erklärt. Alle Gasverbraucher sind aufgerufen, aktiv Maßnahmen zu ergreifen, die zu einer Senkung des Gasverbrauches führen.

Auf seiner Seite www.energiewechsel.de gibt das Ministerium konkrete Tipps, wie auch Privathaushalte Gas einsparen können und so ihren Beitrag leisten lönnen, damit die Versorgung im kommenden Herbst und Winter gesichert ist.

Die Frühwarnstufe ist erreicht, wenn konkrete, ernst zu nehmende und zuverlässige Hinweise darauf vorliegen, dass ein Ereignis eintreten kann, welches wahrscheinlich zu einer erheblichen Verschlechterung der Gasversorgungslage sowie wahrscheinlich zur Auslösung der Alarm- bzw. der Notfallstufe führt; die Frühwarnstufe kann durch ein Frühwarnsystem ausgelöst werden. 

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat am 30.03.2022 die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas in Deutschland ausgerufen. Das bedeutet, dass die Gasversorger und die Betreiber der Gasleitungen verpflichtet werden, regelmäßig die Lage für die Bundesregierung einzuschätzen. Noch greift der Staat aber nicht ein, sondern Gashändler und -lieferanten, Fernleitungs- und Verteilnetzbetreiber sind aufgerufen, marktbasierte Maßnahmen vorzubereiten und einzuleiten, um die Gasversorgung aufrechtzuerhalten. Dazu gehören beispielsweise die Nutzung von Flexibilitäten auf der Beschaffungsseite, der Rückgriff auf Gasspeicher, die Optimierung von Lastflüssen oder die Anforderung externer Regelenergie. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht hierzu täglich eine aktuellen Lagebericht

Erst in der 3. Stuffe, der sog. "Notfallstufe" greift die Bundesregierung ein und regelt die Einteilung in geschütze und nicht-geschütze Kunden. Haushaltskunden gelten gem. § 53a des EnWG ausdrückklich als geschützte Kunden. 

Weiterführende Links 

Die Gas- und Wärmeversorgung von Haushaltskunden steht in Deutschland unter besonderem Schutz. Auch im Fall drohender Versorgungskrisen hat die Belieferung der Haushalte mit Gas bzw. Fernwärme höchste Priorität. Die gesetzlich festgelegten Notfallpläne regeln, dass sich kein Haushaltskunde davor fürchten muss, dass seine Wohnung nicht mehr beheizt wird. In Deutschland besteht für die aktuelle Heizperiode überhaupt kein Anlass, eine Versorgungslücke zu fürchten. Die deutschen Gasspeicher sind ausreichend befüllt, um den Bedarf der nächsten Monate zu decken.

Es ist richtig, dass Deutschland mit seinen Jahresverbrauchsmengen über das aktuelle Jahr hinaus von russischen Gaslieferungen abhängig ist. Die gesamte Gasbranche und die deutsche Bundesregierung sind sich daher bewusst, dass Deutschland über die aktuelle Heizperiode hinaus für eine zuverlässige Gaslieferketten sorgen muss. Das bedeutet, politische Risiken neu zu bewerten und unabhängiger von russischen Gaslieferungen zu werden. Über den nächsten Winter hinaus wird Deutschland daher den Bezug von flüssigem Erdgas (Liquefied Natural Gas, kurz: LNG) verstärken. Damit wird der Import von Gas per Schiff aus allen Weltregionen möglich. Zugleich plant die Bundesregierung den Aufbau einer nationalen Gasreserve. Sie schafft Regeln für die Speicherung von Gas. Damit wird zusätzliche Vorsorge getroffen, dass in kommenden Heizperioden keine bedrohlichen Engpasssituationen entstehen. Die Importabhängigkeit vom russischen Gas und eine langfristig stabile Versorgung ist auch Thema auf europäischer Ebene. Auch hier zeichnen sich Maßnahmen ab, Erdgas gemeinsam zu beschaffen und die Versorgungssicherheit im europäischen Verbund zu stärken.

Wir als Stadtwerke Düren beschaffen die für unsere Kunden nötigen Energiemengen frühzeitig und umsichtig, damit sie bedarfsgerecht zur Verfügung stehen, wenn sie benötigt werden. Das gilt sowohl für Strom als auch für Gas. Dadurch stellen wir sicher, dass auch in schwierigen Zeiten die Daseinsvorsorge für unsere Kunden gewährleistet ist. Die Stadtwerke Düren als Grundversorger sowie die Leitungspartner als örtlicher Netzbetreiber haben die Aufgabe, die unterbrechungsfreie und zuverlässige Versorgung aller Haushaltskunden in unserem Versorgungsgebiet sicherzustellen. Daher beobachten wir das Marktgeschehen sorgfältig, um für unsere Kunden rechtzeitig die nötigen Energiemengen zu sichern.

Als Stadtwerk befinden wir uns im konstanten Austausch mit vorgelagerten Netzbetreibern, Speicherbetreibern, Händlern und Vertrieben. Das Zusammenspiel aller Akteure trägt dazu bei, mit einem breit angelegten Instrumentarium Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Auch wenn die Lage beim Gasimport aktuell zum Teil unübersichtlich oder in der Öffentlichkeit sogar bedrohlich wirkt, sind sich alle Beteiligten der Verantwortung bewusst, Krisensituationen insbesondere bei Haushaltskunden schon im Vorfeld abzuwenden. Gas ist als fossiler Energieträger eine Brückentechnologie. Wichtig ist, dass dieser Energieträger daher zukünftig vor allem in den Bereichen eingesetzt wird, die nicht einfach auf erneuerbare Energieträger umgestellt werden können. Es wird insbesondere in der Wärmeversorgung von Gebäuden benötigt. Dort wird Gas auch noch für einen längeren Zeitraum eine Rolle spielen.

Die Stadtwerke Düren engagieren sich schon seit längerer Zeit, die Energieversorgung nachhaltig auf erneuerbare Energiequellen umzustellen. Dafür stehen u.a. auch unsere Beteiligungen an verschiedenen Projekten der Rurenergie im Bereich Wind- und Solarenergie. Das bedeutet für uns nicht nur, klimafreundlich produzierten Strom aus Sonne und Wind einzukaufen, sondern auch eigene Projekte z.B. in Echtz oder Inden zu realisieren. Damit leisten wir in der Region einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz und tragen zur Versorgungssicherheit bei. Erneuerbare Energien werden nicht nur langfristig die Abhängigkeit Deutschlands von Importen senken, sondern sorgen langfristig auch die preisgünstigste und stabile Energiepreise. Mit Effizienzmaßnahmen können Sie auch selbst aktiv dazu beitragen, ihren eigenen Energieverbrauch zu senken. Sprechen Sie uns gerne an, wie sie einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten können.

Die angespannte politische Situation, die durch den russischen Angriff auf die Ukraine entstanden ist, treibt die Gaspreise in die Höhe. Die Handelsmärkte reagieren damit auf die Befürchtung möglicher Liefereinschränkungen. Da Gas in der Stromerzeugung eingesetzt wird, steigen damit zugleich die Strompreise. Wie sich die Energiepreise entwickeln, hängt stark davon ab, ob sich der Ukraine-Konflikt beruhigt oder weiter verschärft. Wir strukturieren unsere Energiebeschaffung so, dass wir vorausschauend einkaufen, um die zuverlässige Versorgung unserer Kunden langfristig sicherzustellen.

Bei andauernd hohen Energiepreisen auf dem Energiemarkt sind Preiserhöhungen der Kundentarife nicht ausgeschlossen. Wir gestalten unsere Preise nicht zum eigenen Vorteil. Sollten wir als Stadtwerke Düren Preise erhöhen müssen, geschieht das, um Ihre Belieferung mit Strom und Gas zuverlässig zu gewährleisten. Sollten Kunden glauben, in Zahlungsschwierigkeiten zu kommen, müssen sie keine Sperrungen fürchten. Suchen sie als Betroffene frühzeitig das Gespräch mit unserem Kundenservice. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dort sind immer bemüht, eine passende Lösung für Sie zu finden.  


Weiterführende Hintergrundinformationen (bdew)

Die Energiewirtschaft weiß um ihre große Verantwortung und nimmt sie in dieser besonders ernsten Situation in aller Besonnenheit an. Wir unterstützen die Bemühungen der europäischen Institutionen und insbesondere der deutschen Bundesregierung, die Versorgungssicherheit auf einem möglichst hohen Niveau zu gewährleisten und gleichzeitig im europäischen Verbund mit aller Klarheit und Entschiedenheit gegenüber der russischen Regierung aufzutreten. Die Energiewirtschaft prüft alle Optionen und wird Maßnahmen ergreifen, die kurz-, mittel- und langfristig die Energieversorgung unabhängiger und unser System resilienter machen. Deutschland wird auch weiterhin ein Energie-Import-Land bleiben. Insbesondere für die kurzfristigen Maßnahmen kommt es vor allem darauf an, zusätzlich gesicherte Leistung zu realisieren. Dies kann auch temporär Einfluss auf kurzfristige Emissionsreduktionsziele haben. Zu allen Optionen und Maßnahmen stehen wir in engem Austausch mit der Bundesregierung und bieten jede Unterstützung an. Ein abgestimmtes und besonnenes Vorgehen von Energiewirtschaft und Politik auf allen Ebenen ist von essenzieller Bedeutung für die weitere Gewährleistung von Versorgungssicherheit.
 

Wir sehen zudem mit Sorge, dass die Preisentwicklung im Strom- und Gasmarkt zu einem drängenden Problem für viele Kunden – Haushalts- wie gewerbliche und industrielle Kunden – wird. Die Frage der Bezahlbarkeit von Energie kann nur in einem gemeinsamen Ansatz von Politik und Energiewirtschaft gelöst werden. Über die bereits beschlossenen Maßnahmen hinaus wird sehr genau zu betrachten sein, inwieweit insbesondere Menschen mit geringem Einkommen, aber auch Wirtschafts- und Industriezweige Unterstützung durch industrie- und sozialpolitische Instrumente benötigen. Folgen dieser Krise werden einen unübersehbaren Einfluss auf die Beschaffung der Unternehmen haben und somit auf die Preisbildung. Der schnelle und massive Ausbau der Erneuerbaren Energien ist heute mehr denn je entscheidend, um die Energieversorgung Deutschlands perspektivisch unabhängiger von Kohle-, Gas- und Ölimporten zu machen.

Situation beim Schutz kritischer Infrastruktur

Update 24.03.2022: Gegenwärtig gibt es laut Mitgliedsunternehmen und BSI keine Anzeichen für unmittelbar bevorstehende Cyberangriffe auf deutsche Unternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft, die im Zusammenhang mit den Geschehnissen in der Ukraine stehen. Eine erhöhte Bedrohungslage für Deutschland im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise bleibt aber unverändert bestehen. Die Situation kann sich nach Einschätzung des BSI jederzeit ändern. Auch die aktuellen BSI-Warnungen, etwa vor den Anwendungen aus dem Portfolio von Virenschutzsoftware des Unternehmens Kaspersky, ändert nach Absprache mit Behörden und Energiewirtschaft nichts an dieser abstrakten Gefährdungslage. Es gibt laut Behördeneinschätzung gegenwärtig keine Anzeichen dafür, dass die Kaspersky-Produkte von russischer Seite für Angriffe benutzt werden. In diesem Zusammenhang hat der BDEW auch die Taskforce "Cybersicherheit und KRITIS vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts" gebildet. Unter Beteiligung von Vertreterin-nen und Vertretern der Energie- und Wasserwirtschaft, des BSI, des BMWK und der BNetzA wird dadurch ein branchenspezifischer Austausch mit einer durchgehenden Erreichbarkeit aller Teilnehmenden im Krisenfall ermöglicht. Durch die Synchronisation des ukrainischen Übertragungsnetzes mit dem europäischen Verbundnetz sieht der BDEW gegenwärtig in Absprache mit Energiewirtschaft und Behörden keine erhöhten Risiken für die Stabilität des Verbundnetzes und dessen Cybersicherheit.

 

Der BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) und seine Mitgliedsunternehmen beobachten mit Sorge die umfassenden militärischen Interventionen Russlands auf dem Hoheitsgebiet der Ukraine. Auch der Cyberraum ist dabei Schauplatz koordinierter und schwerwiegende Angriffe auf ukrainische Unternehmen und Regierungseinrichtungen geworden. Der BDEW steht daher auch mit seinen Mitgliedsunternehmen und den zuständigen Behörden im engen Austausch, um die Bedrohungslage für die Energie- und Wasserwirtschaft durch Cyberangriffe fortwährend zu bewerten. Der BDEW betrachtet die Lage als sehr ernst.


Die deutsche Energieversorgung zählt zu den sichersten weltweit. Die Betreiber Kritischer Infrastrukturen müssen kontinuierlich sehr hohe regulatorische Sicherheitsanfor-derungen u.a. für Energieversorgungsnetze und für Energieanlagen sowie Meldepflich-ten bei IT-Sicherheitsvorfällen gegenüber dem Bundesamt für Sicherheit in der Infor-mationstechnik umsetzen und nachweisen. Die Einhaltung dieser Anforderungen wird von der Bundesnetzagentur sowie dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik überwacht und die Anforderungen werden bei Bedarf aktualisiert oder erweitert. Die in Deutschland für den Sektor Energie geltenden Anforderungen gehen weit über die verpflichtenden Mindestanforderungen der Europäischen Cybersicherheitsrichtlinie hinaus. Wir unterstützen die Bemühungen von Entso-E, das ukrainische Übertragungsnetz so schnell wie möglich mit dem europäischen Verbundnetz zu synchronisieren. Dabei müssen die Risiken für die Stabilität des Verbundnetzes so weit wie möglich reduziert werden.

Situation der Erdgasversorgung

Update 24.03.2022: Der BDEW hat eine Analyse zur Frage vorgelegt, wie viel Erdgas kurzfristig, also bei einem unmittelbaren Ausfall aller Erdgaslieferungen aus Russland, in den Bereichen Wärme, Stromerzeugung, Industrie und Verkehr in Deutschland durch den Einsatz anderer Energieträger oder durch Einsparungen ersetzt werden könnte. Insgesamt lässt sich laut BDEW-Analyse rund ein Fünftel des gesamten deutschen Gasbedarfs substituieren oder einsparen. Der Anteil russischen Erdgases an allen Erdgaseinfuhren nach Deutschland liegt in den Monaten Januar bis März 2022 bei schätzungsweise 40 Prozent (aufgrund höherer Lieferungen aus anderen Lieferländern). Bliebe es bei diesem Anteil, könnte – bezogen auf das ermittelte Gesamtreduktionpotenzial – etwa die Hälfte der russischen Gaslieferungen nach Deutschland kurzfristig ersetzt oder eingespart werden. Kurzfristige Substitutions- und Reduktionspotenziale sind bei Haushalten, in der Industrie und bei Gewerbe, bei Handel und Dienstleistungen (GHD) vorhanden, aber begrenzt: Bezogen auf den gesamten jeweiligen Gasbedarf liegen diese Potenziale im Bereich der Haushalte bei 15 Prozent, im GHD-Bereich bei 10 Prozent und in der Industrie bei 8 Prozent. Mittel- bis langfristig sind beispielsweise durch Umrüstungen, Energieträgerwechsel oder Effizienzmaßnahmen weitere Potenziale erschließbar.

Im Bereich der Stromerzeugung beträgt das kurzfristige Substitutions- und Reduktionspotenzial 36 Prozent des Erdgasverbrauchs der Kraftwerke der öffentlichen Versorgung und in der Industrie. Auf den Einsatz von Gaskraftwerken kann nicht vollständig verzichtet wer-den, da sonst die Wärmeversorgung von Haushalten (Fernwärme) und Betrieben (Prozess-wärme) gefährdet wäre. Ein großer Teil der Erdgaskraftwerke muss daher weiter betrieben werden. Die wegfallende Stromerzeugung aus Gaskraftwerken ließe sich durch die Stromerzeugung aus bestehenden anderen Kraftwerkkapazitäten ersetzen; in einzelnen Stunden (wenig Wind, Spitzenlastzeiten) wären dennoch Gaskraftwerke zur Spitzenlastdeckung erforderlich. Insbesondere in der Industrie ist das kurz- bis mittelfristige Substitutionspotenzial für Erdgasanwendungen mit 8 Prozent des gesamten industriellen Erdgasverbrauchs gering. Die Industrie würde damit von einem Embargo/Lieferstopp voll getroffen werden, ohne dass realistische kurzfristige Optionen einer Energieträgersubstitution bestehen (Haushaltskunden und soziale Einrichtungen werden im Fall einer Liefereinschränkung grundsätzlich vorrangig beliefert). Ein Embargo würde auch das Ziel voller Gasspeicher zu Beginn des nächsten Winters in Frage stellen. In Europa gibt es Sicherungsmechanismen, die in einer Engpasssituation greifen. In jedem Fall sind Haushaltskunden und Einrichtungen, wie beispielsweise Krankenhäuser, durch gesetzliche Bestimmungen besonders geschützt. Auch würden vertraglich geregelte Abschaltvereinbarungen mit der Industrie oder der Wechsel auf andere Energieträger die Nachfrage nach Gas drosseln.

 

Die deutschen Gasspeicher sind zum Winterende zu knapp 25 Prozent gefüllt und weisen damit wieder einen vergleichbaren Stand zu den Vorjahren auf. Die Energiewirtschaft unterstützt die Bundesregierung in dem Bemühen, den Beitrag von Gasspeichern zur Versorgungssicherheit krisenfest zu machen. Unabdingbares Ziel ist, mit ausreichend gefüllten Gasspeichern in den nächsten Winter zu gehen, dies auch nachhaltig sicherzustellen und dabei Verbraucher nicht mit unnötig hohen Kosten zu belasten. Die ebenfalls essenzielle Aufgabe von Gasspeichern, saisonale und kurzfristige Schwankungen im Gasbedarf auszugleichen (Systemwert) und den Gashandel zu optimieren (Marktwert), muss dabei bestmöglich erhalten werden.

Russland liefert mehr als 50 Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases (in der EU knapp 40 Prozent). Sollten Lieferungen aus Russland kurzfristig ausfallen, ist das eine große Herausforderung. Mit diesem Szenario beschäftigen wir uns derzeit intensiv.

Die Energiewirtschaft geht davon aus, dass sie in diesem Winter ihre Gaslieferverpflich-tungen unabhängig von Lieferungen aus Russland erfüllen kann. In Europa gibt es Sicherungsmechanismen, die in einer Engpasssituation greifen. In jedem Fall sind Haushaltskunden und Einrichtungen, wie beispielsweise Krankenhäuser, durch gesetzliche Bestimmungen besonders geschützt. Auch würden vertraglich geregelte Abschaltvereinbarungen mit der Industrie oder der Wechsel auf andere Energieträger die Nachfrage nach Gas drosseln. Europa kann aktuell auf einen breiten Liefermix bauen: Gas erreicht damit auch Deutschland aus verschiedenen Quellen. Hinzu kommen die sehr gute Gasspeicher-Infrastruktur, insbesondere in Deutschland, sowie das europäische Gas-Verbundnetz, das den innereuropäischen Gas-Austausch ermöglicht und das in den vergangenen Jahren immer stärker ausgebaut worden ist.


Die deutschen Gasspeicher sind kurz vor dem Winterende zu rund 30 Prozent gefüllt und weisen damit wieder einen vergleichbaren Stand zu den Vorjahren auf. Die Energiewirtschaft unterstützt die Bundesregierung in dem Bemühen, den Beitrag von Gas-speichern zur Versorgungssicherheit krisenfest zu machen. Unabdingbares Ziel ist, mit ausreichend gefüllten Gasspeichern in den nächsten Winter zu gehen und dies auch nachhaltig sicherzustellen. Die ebenfalls essenzielle Aufgabe von Gasspeichern, saisonale und kurzfristige Schwankungen im Gasbedarf auszugleichen (Systemwert) und den Gashandel zu optimieren (Marktwert), muss dabei bestmöglich erhalten werden. Der Ansatz, die Ausschreibung von Gasmengen, die von Marktteilnehmern in Gasspeichern vorgehalten und bei Abruf zur Verfügung gestellt werden müssen (angepasste Long Term Options), auszuweiten, ist richtig und zielführend. Dies kann ggf. mit weiteren Maßnahmen kombiniert werden. Gefundene Regelungen müssen der Maßgabe folgen, definierte Füllstände zum Beginn und zu weiteren Zeitpunkten der Heizperiode vorzuhalten und dabei Verbraucher nicht mit unnötig hohen Kosten zu belasten.


Aktuell bezieht Europa auch verstärkt Flüssigerdgas via Großtanker aus den USA und Katar. Insbesondere dort und in Australien sind Produzenten in der Lage, ihre Angebotsmenge kurzfristig auszuweiten. Es besteht somit die Möglichkeit, zusätzliche Flüssigerdgas-Mengen zu beziehen – allerdings bei voraussichtlich hohen Preisen. Als Eng-pass könnten sich aber die weltweite Nachfrage sowie die Verfügbarkeit von Terminals und Transportleitungen herausstellen. Zudem ist es zum Schutz der Lieferanten und deren Kunden auf allen Ebenen notwendig, dass die Bundesregierung bei maßgebenden Lieferausfällen zeitnah reagiert und gemäß Notfallplan Gas handelt. Neben den Maßnahmen, die die EU-Verordnung über Maßnahmen zur Gewährleistung der sicheren Gasversorgung (SoS-Verordnung) vorsieht, sollte der Erlass entsprechender Rechtsverordnungen aufgrund von § 1 des Energiesicherungsgesetzes 1975 vorbereitet werden.

Grundsätzlich ist es zum Erhalt der Versorgungssicherheit mit Gas wichtig, die bestehenden Marktrollen zu nutzen, um das bestehende Marktsystem zu erhalten. Nur im Zusammenspiel der Marktakteure kann die Versorgungssicherheit tatsächlich mit einem Höchstmaß gewährleistet werden. Die Gasnetzbetreiber stellen die erforderlichen Transport- und Verteilkapazitäten bereit. Die Gas-Handelsunternehmen (Großhändler) beschaffen an nationalen und internationalen Gasmärkten die Gasmengen, die von den Lieferanten im Endkundenmarkt an die Letztverbraucher vertrieben werden. Die Speicherbetreiber stellen Kapazitäten sowohl für die Optimierung der Gasimporte, für Lieferunterbrechungen, für den Spitzengasbedarf und für Handelsoptimierungen zur Verfügung.

Situation bei der Stromproduktion auf Basis Kohle

Engpässe in der deutschen Stromerzeugung gibt es momentan nicht. Die Kraftwerke produzieren plan- und bedarfsgerecht. Die Prinzipien des Strommarkts sollten nicht infrage gestellt werden, um auch weiterhin eine effiziente und sichere Stromproduktion zu gewährleisten. Die Weltsteinkohleförderung im Pandemiejahr 2020 belief sich auf 7060 Mio. Tonnen, Russland ist dabei ein wichtiger Exporteur und in 2020 mit 12,9 Mio. Tonnen sogar der bedeutendste Lieferant für Deutschland.


Der Anteil der russischen Steinkohle in der Stromerzeugung in Deutschland liegt bei etwa 50 Prozent (in der EU bei gut 40 Prozent); in einzelnen Kraftwerken in Deutschland werden aktuell bis zu 75 Prozent russische Steinkohle verfeuert. Steinkohle wird weltweit gehandelt, bei reduzierten Lieferungen aus Russland können theoretisch Lieferungen aus Ländern wie Australien, Indonesien, USA, Kolumbien, Südafrika und Kanada erfolgen. Hierbei ist jedoch neben Weltmarktpreisen eine deutlich höhere Seefrachtrate zu berücksichtigen. Aktuell reichen die Bestände in den Steinkohle-Lager in Deutschland etwa bis Mai 2022, einzelne Unternehmen erwarten in den kommenden Wochen weitere Lieferun-gen aus Russland.

Eine vollständige Umstellung der Lieferketten für die Steinkohle-Versorgung der Kraftwerke in Deutschland würde mehrere Monate dauern. Sollte es kurzfristig zusätzliche Kapazitätsbedarfe zum Erhalt der Versorgungssicherheit geben, wird die Energiewirtschaft gemeinsam mit der Politik Lösungen entwickeln. Zu prüfen wäre dann zum Beispiel, ob Kraftwerke aus der Sicherheitsbereitschaft eingesetzt werden könnten oder ob bereits stillgelegte Anlagen temporär zurück ans Netz gebracht werden könnten. Ein anvisierter vorgezogener Kohleausstieg ist unter der Bedingung von Substitutionen durch Erneuerbare Energien und die erforderliche gesicherte Leistung weiterhin möglich.

Ausblick zur Versorgungssicherheit

Insgesamt werden mittelfristig vor allem der massive Ausbau Erneuerbarer Energien, eine diversere Beschaffungsstruktur und der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft bedeutsam für eine auf diversifizierten Energieströmen basierende Versorgungssicherheit sein, um unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden. Hierbei wird die Energiewirtschaft eine treibende Rolle spielen. Dabei muss der Ausbau der Erneuerbaren Energien und der dazugehörige Aus- und Umbau der Netzinfrastruktur – auch bei Abwägungsprozessen – absolute Priorität haben. Hemmnisse insbesondere bei der Genehmigung und Realisierung von Projekten müssen der Vergangenheit angehören. Wenn wir unsere Energieversorgung resilienter und unabhängiger machen wollen, dann muss der Ausbau der Erneuerbaren Energien in einem Tempo und Maße zulegen, welches wir in Deutschland bis dato nicht kennen.


Um in den nächsten Jahren unabhängiger von russischem Erdgas zu werden, sollten zum einen Diversifizierung und Absicherung der Lieferketten im Fokus stehen, zum anderen der Ausbau zusätzlicher Infrastrukturen wie etwa LNG-Terminals (oder perspek-tivisch auch FSRUs – Floating Storage and Regasification Units) ermöglicht werden. LNG-Terminals können perspektivisch auch einen Beitrag leisten, um die Importstruktur für grüne Moleküle aufzubauen. Die Unternehmen brauchen bei absehbaren Unsi-cherheiten allerdings Investitionssicherheit und staatliche Unterstützung sowie die Perspektive einer mittel- und langfristigen wirtschaftlichen Nutzung. Zu berücksichtigen bleibt, dass die Errichtung solcher zusätzlichen Infrastrukturen mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird. Die Bundesregierung sollte prüfen, inwieweit Planungs- und Genehmigungsverfahren für eine LNG-Infrastruktur deutlich beschleunigt werden können. Der bereits begonnene Transformationspfad der Gaswirtschaft hin zur Klimaneutralität wird in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen wichtiger denn je. Es gilt diesen Prozess zu beschleunigen und erforderliche politische Rahmenbedingungen zu schaffen. Dabei ist der Hochlauf von Wasserstoff von zentraler Bedeutung, sein Bezug muss von Anfang an diversifiziert gestaltet werden. Die Realisierung heimischer und europäischer Produktionsstätten ist ebenso wichtig und notwendig wie das Entstehen eines globalen (Commodity-) Marktes für grünen Wasserstoff und Wasserstoffderivate. Für den Aufbau der Infrastruktur für Erneuerbare und dekarbonisierten Wasserstoff bedarf es auch weniger Restriktionen. Zudem braucht es schnell eine entschlossene europäische Wasserstoffstrategie.


Entscheidend ist, dass zu restriktive Kriterien, insbesondere im Hinblick auf die Additivität und zeitliche Korrelation zwischen der Produktion von Grünstrom und Wasser-stoff, einen schnellen Markthochlauf auszubremsen drohen und daher verhindert werden müssen. Auch heimisches Biogas ist ein wichtiger Baustein. Auf Erdgasqualität aufbereitet und als Biomethan in die vorhandene Gasinfrastruktur eingespeist, kann es jederzeit gespeichert und zu den Verbrauchern transportiert werden. Nur können aufgrund nicht ausreichender Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel der entsprechenden Anerkennung im Bereich des Wärmemarktes, die Potentiale nicht ausgeschöpft werden. Hier gilt es, kurzfristig die rechtlichen Voraussetzungen zu verbessern – beispielsweise auch für den Import von Biogas. Die Reduzierung der CO2-Emissionen auf dem Zielpfad zur Klimaneutralität muss neben Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit weiter prioritär bleiben. Diese Ziele stehen auch in der aktuellen Krise nicht im Widerspruch, sondern müssen stets zusammen gedacht werden.

Statement der Geschäftsführung

SWD-Geschäftsführer Heinrich Klocke und Cord Meyer, Geschäftsführer des Tochterunternehmens Leitungspartneräußern sich auch in der aktuellen Ausgabe 2/2022 des SWD-Magazins zu den Herausforderungen der Energiewende. 

Das ganze Interview lesen Sie hier.